Hochzeitsgeschichten · Reportage
Davul trifft Tamada: I. & J. und ihre türkisch-russische Hochzeit im Kaisersaal Herne
Zwei Feierkulturen, ein Saal mitten im Ruhrgebiet, zwei Regisseure für ein Programm – und eine House-Afterparty, auf der die 86-jährige Uroma mittanzte.
Es gibt Feiern, die einen an einem einzigen Abend weiter mitnehmen als mancher Urlaub – ohne dass jemand den Saal verlässt. Diese hier begann mit anatolischen Davul-Trommeln, führte über russische Trinksprüche und endete bei treibendem House. Alles an einem Ort: I. & J. feierten ihre türkisch-russische Hochzeit im Kaisersaal Herne, mitten im Ruhrgebiet – und ich übernahm als Hochzeits-DJ die musikalische Regie eines Abends, auf dem Türkisch und Russisch gleichberechtigt zuhause waren.
Wenn zwei derart ausgeprägte Feierkulturen aufeinandertreffen, gibt es genau zwei Möglichkeiten: Man feiert nebeneinander her – oder man baut Brücken. Dieser Abend war, von der ersten Trommel bis zum letzten Beat, eine einzige Brücke.
Zwei Regisseure, ein Abend: DJ trifft Tamada
Das Besondere begann schon bei der Rollenverteilung: Ich war nicht der Einzige, der an diesem Abend durchs Programm führte. Für die russische Seite der Familie hatten I. & J. eine externe Tamada engagiert – eine Zeremonienmeisterin, wie sie auf russischen Hochzeiten Tradition hat. Sie führt durch den Abend, hebt das Glas, holt die Gäste in Spiele und Trinksprüche hinein und hält die Familie zusammen.
Manche DJs sehen darin eine Konkurrenzsituation. Ich sehe das Gegenteil – vorausgesetzt, die Absprache stimmt. Wir haben uns den Abend aufgeteilt wie zwei Regisseure am selben Set: Sie führte durch die Momente der russischen Tradition, ich hielt als Hochzeits-DJ mit Moderation die musikalische Dramaturgie und die türkische Seite. An den Übergängen haben wir uns die Bälle zugespielt, statt sie einander wegzunehmen – und genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob so ein Abend rund wird. Er wurde rund. Falls ihr eine russische oder russischsprachige Hochzeit mit Tamada plant und euch fragt, ob DJ und Tamada zusammenpassen: Sie tun es. Beide müssen nur verstehen, dass sie im selben Team spielen.
Wenn die Davul einsetzt, bleibt niemand sitzen
Die türkische Feierkultur eröffnet mit Wucht: Kaum setzte die Davul-Trommel ein, war der Saal auf den Beinen. Der Halay zog sich als lange Kette durch den Kaisersaal – Jung und Alt, türkische und russische Gäste, alle eingehakt, alle im selben Schritt. Und wieder dieser Effekt, der mich jedes Mal packt: Ein Tanz, den die Hälfte der Gäste noch nie getanzt hat, und nach zwei Minuten erkennt man keinen Unterschied mehr. Was hinter Halay, Davul und Co. steckt, erkläre ich ausführlich auf meiner Seite über türkische Hochzeiten.
Ein Tanz, den die Hälfte der Gäste noch nie getanzt hat – und nach zwei Minuten sieht man keinen Unterschied mehr.
Saure Gurken neben Adana Kebap
Auch die Küche machte an diesem Abend keine halben Sachen – und vor allem keine Entweder-oder-Sachen. Auf den Tischen standen russische saure Gurken neben Adana Kebap: ein Nebeneinander zweier Welten, das besser funktionierte, als es auf dem Papier klingt. Mehr als einmal habe ich Gäste darüber reden hören, wie selbstverständlich sich beide Küchen den Tisch teilten. Genau das war das Motto des ganzen Festes.
Wirklich interkulturell: jeder kam auf seine Kosten
„Interkulturelle Hochzeit“ ist schnell dahingesagt. Oft feiert dann doch eine Seite, während die andere höflich zuschaut. Hier nicht. Playlist, Programm, Momente – alles war so gebaut, dass beide Familien ihre Höhepunkte hatten und sich beide im Abend wiederfanden: türkische Blöcke, russische Momente mit der Tamada, dazwischen gemeinsame Brücken. Keine Seite musste warten, bis sie endlich „dran“ war. Mit diesem Anspruch gehe ich jede multikulturelle Hochzeit an – im Kaisersaal ist er an diesem Abend voll aufgegangen.
House-Afterparty – und mittendrin die Uroma, 86
Dann kam der Teil des Abends, der mir persönlich am nächsten ist. Die Afterparty wurde House-lastig – und House ist mein Zuhause. Hier konnte ich zeigen, was abseits der Hochzeitsklassiker in mir steckt: lange Bögen, treibende Grooves, ein Set, das sich aufbaut, statt einfach nur zu laufen.
Und dann der Moment des Abends: Zur House-Musik stand plötzlich die 86-jährige Uroma auf der Tanzfläche – mittendrin, tanzend, umringt von ihren Urenkeln und deren Freunden. Wenn vier Generationen zum selben Beat tanzen, von der Uroma bis zur Studienfreundin, braucht es keine großen Worte mehr: Gute Musik kennt keine Altersgrenze. Es war eine tolle Hochzeit – manchmal darf man es so einfach sagen.
Warum es von diesem Abend keine Fotos gibt
Von I. & J. und ihren Gästen zeigen wir bewusst keine Aufnahmen – das haben sich die beiden gewünscht, und daran halte ich mich ohne Wenn und Aber. Was ihr auf dieser Seite seht, sind ausschließlich Eindrücke des Saals, veröffentlicht mit Genehmigung des Kaisersaals. Die Feier selbst erzählen wir in Worten – so bleibt der Abend der beiden ihnen ganz allein.
Der Kaisersaal in Herne
Ein paar Worte zur Location: Der Kaisersaal in Herne ist eine etablierte Adresse für große Feste im Ruhrgebiet – ein Saal, der für Hochzeiten gemacht ist und einer Feier mit vielen Gästen, Trommeln und langen Tanzketten den Platz lässt, den sie braucht. Für eine türkisch-russische Hochzeit mit großem Programm war er genau die richtige Bühne. Ein paar Eindrücke der Location begleiten diese Geschichte.
Fotos: Kaisersaal Herne – mit freundlicher Genehmigung. Sie zeigen die Location, nicht die Feier von I. & J.
Noch mehr Eindrücke gibt es in der Bildergalerie des Kaisersaals.
Gefeiert wurde im Kaisersaal in Herne. Auf Wunsch des Brautpaares ohne veröffentlichte Fotos.