Hochzeitsgeschichten · Reportage
Vier Kulturen, eine Tanzfläche: multikulturelle Hochzeit im Schloss Horst Gelsenkirchen
Eine multikulturelle Hochzeit im Glashaus von Schloss Horst – Balkan, arabisch, deutsch, ein Einzug mit Dabka-Gruppe und eine Rede, die ich nie vorbereitet hatte.
Im September 2025 habe ich eine Hochzeit im Schloss Horst gespielt, im Glashaus, mitten in Gelsenkirchen. Geheiratet haben S. & M., eine Mischhochzeit: Balkan, arabisch, deutsch. Und weil die beiden selbst Kinder von Mischehen sind, standen an diesem Tag insgesamt vier verschiedene Kulturen im Raum. Gebucht war ich für beides aus einer Hand, als Hochzeits-DJ in Gelsenkirchen und als Moderator.
S. & M. sind ein hübsches und sehr liebes Paar. Ich schreibe das, weil es den Ton des ganzen Abends erklärt: Wie ein Paar miteinander umgeht, färbt auf seine Gäste ab. Ich hatte an diesem Tag Spaß, von der ersten Minute an, und das merkt man einem Abend hinterher an.
Vier Kulturen an einem Tag – und keine davon als Beiwerk
Vier Kulturen auf einer Hochzeit klingen nach Rechenaufgabe. In der Praxis ist es vor allem eine Frage der Reihenfolge und der Dosierung. Balkan, arabisch, deutsch, dazu die Mischung, die S. und M. selbst mitbringen: Jede dieser Welten hat eigene Erwartungen daran, wann ein Abend beginnt, wie laut er sein darf und welche Lieder ein Zeichen setzen. Meine Aufgabe war es, diese Erwartungen zu kennen, bevor sie ausgesprochen werden.
Ein Standard-Set gibt es bei mir deshalb nicht. Ich baue den Hochzeitsablauf um die Menschen herum, die im Raum sitzen. Das ist der Kern meiner Arbeit als DJ für internationale und multikulturelle Hochzeiten: Jede Kultur bekommt ihren Moment, auch wenn nicht jede gleich viel Zeit bekommt. Wie unterschiedlich zwei solcher Abende ausfallen können, zeigt der Vergleich mit A. & T. im Scheunentraum in Aachen – ähnliche Ausgangslage, ein völlig eigener Abend.
Zwei Runden im Schlosspark
Vor dem Abend gehörte der Park den beiden Runden, die auf so einem Tag nie fehlen: die Braut mit ihren Brautjungfern in Pastell, der Bräutigam mit seinen Männern zwischen Backstein und Grün. Zwei Gruppen, zwei Stimmungen. Schon hier sah man, wie gemischt die Gesellschaft an diesem Tag war, und wie selbstverständlich sich das anfühlte.
Für mich sind diese Stunden immer die ruhigsten und die aufmerksamsten zugleich. Während draußen fotografiert wird, sehe ich, wer zu wem gehört, wer die Stimmung trägt, wer sich zurückhält. Vieles von dem, was später am Pult wie Bauchgefühl aussieht, entsteht in genau diesen Stunden.
Der Einzug mit der Dabka-Gruppe
Der Einzug war stark. Getragen hat ihn eine Dabka-Gruppe, und die Leute haben einen Showeffekt hingelegt, der phänomenal war. Trommeln, Tücher, Bewegung im Gleichschritt, dazu ein Saal, der sofort auf den Füßen stand.
Ein Einzug wie dieser ist für einen DJ eine Ansage. Er setzt eine Energie, die man danach nicht verlieren darf. Meine Aufgabe in solchen Momenten ist überschaubar und trotzdem heikel: den Übergang so bauen, dass die Wärme im Raum bleibt, wenn die Gruppe die Fläche wieder verlässt. Wer da zu früh auf laut geht, verbrennt den Moment. Wer zu vorsichtig ist, lässt ihn versanden.
Maximal traditionell begonnen, in einem Quartett
Den Abend haben wir danach maximal traditionell begonnen, in einem Quartett. Das war so geplant. Wer aus vier Kulturen kommt, hat ältere Gäste im Saal, für die genau dieser Teil des Abends der eigentliche ist. Nimmt man ihn ernst, hat man die halbe Familie auf seiner Seite. Übergeht man ihn, merkt man es spätestens gegen Mitternacht an leeren Stühlen.
Bei Anfragen geht es fast immer zuerst um den Hochzeitsablauf: Wann kommt der Einzug, wann der Hochzeitstanz, wie geht man mit Musikwünschen um, ab wann darf es lauter werden. An einem Abend wie diesem fällt die Entscheidung darüber lange vor dem ersten Track, in den Wochen der Planung. Am Pult setze ich dann nur noch um, was vorher besprochen wurde, und korrigiere, wo der Saal etwas anderes will.
Niemanden ausschließen – die Haltung hinter dem Ablauf
Niemanden auszuschließen, war die Vorgabe des Paares, und es ist auch meine eigene Haltung. Bei vier Kulturen an einem Abend gibt es immer eine Gruppe, die Gefahr läuft, zur Randnotiz zu werden: die deutschen Freunde während eines sehr traditionellen Blocks, die ältere Generation bei einem langen modernen Part, die Gäste, deren Musik man selbst am wenigsten im Ohr hat.
Also habe ich den Abend so gebaut, dass jede Gruppe mehrfach vorkommt. So stand am Ende ein Publikum im Saal, das in seiner Mischung zu dieser Region passt. Das Ruhrgebiet ist seit Generationen ein Ort, an dem unterschiedliche Herkünfte nebeneinander existieren. Als Hochzeits-DJ im Ruhrgebiet spiele ich fast nie vor einem Saal, in dem alle denselben Hintergrund haben. Genau das mag ich an dieser Gegend, und genau darauf ist mein ganzer Job ausgerichtet.
Wichtig war es, niemanden auszuschließen. Alles andere ergibt sich daraus.
Meine Rede – kein Zettel, keine Floskeln
Als Moderator habe ich an diesem Abend eine kurze Rede frei gehalten – ohne Zettel. Ich wollte dem Brautpaar alles Gute wünschen, ohne die Sätze zu benutzen, die auf jeder Hochzeit fallen. Kein großes Haus. Keine Kinderschar. Nichts davon.
Gesundheit, ja, die ist wichtig. Aber das Entscheidende ist für mich ein anderes: dass S. und M. sich ihre persönlichen Ziele erfüllen. Dass jeder von beiden das einlöst, was er sich für sein eigenes Leben vorgenommen hat, und dass der andere dabei an seiner Seite steht. Wenn das gelingt, braucht es die Standardwünsche nicht.
Vorbereitet hatte ich diese Rede nicht. Kein Zettel, kein Plan. Ich habe in dem Moment gesagt, was ich empfunden habe. Der Videograf DNZ Cinema hat sie aufgenommen. Ich habe den Ausschnitt später hochgeladen, und er ist auf Social Media viral gegangen.
Damit hatte ich nicht gerechnet. Es zeigt mir aber, dass viele Menschen genau das vermissen, wenn sie auf Hochzeiten sitzen: ein paar ehrliche Sätze anstelle der immer gleichen Formeln. Ein Moderator, der ein Paar wirklich kennt, muss sich nichts ausdenken. Er muss nur sagen, was ohnehin im Raum steht.
Die Afterparty im Glashaus
Die Afterparty war dann eine Mischung aus den coolen Situationen des Abends. Alles, was vorher gezündet hatte, kam zurück, dichter und schneller. Leuchtstäbe auf einer vollen Fläche, Leute, die sich ein paar Stunden vorher noch nicht kannten, und ein Saal, in dem die Frage nach der Herkunft keine Rolle mehr spielte.
Das ist der Punkt, an dem sich zeigt, ob die Arbeit davor gestimmt hat. Wenn am Ende alle Gruppen gleichzeitig auf der Fläche stehen und keiner mehr überlegt, ob der nächste Song zu ihm gehört, ist der Abend aufgegangen. Genau darauf arbeite ich hin, wenn ich als DJ für Hochzeiten mit mehreren Kulturen arbeite.
Schloss Horst und das Glashaus – zwei Bühnen an einem Tag
Schloss Horst gibt einem Hochzeitstag zwei sehr verschiedene Bühnen. Draußen das schmiedeeiserne Tor, der Backstein und der Park, in dem die ruhigen Bilder entstehen. Drinnen das Glashaus, das den Abend zusammenzieht und laut werden lässt. Für eine Hochzeit, die vier Kulturen zusammenbringen soll, ist dieser Wechsel ein echter Vorteil: Der Tag darf getragen sein, der Abend darf hochgehen.
Wenn ihr eure Feier in Gelsenkirchen plant, lohnt sich dieser Gedanke unabhängig von der Location. Ein Ort, der beides kann, nimmt euch eine schwierige Entscheidung ab: Ihr müsst euch nicht zwischen einem würdigen und einem ausgelassenen Tag entscheiden.
Was von diesem Abend bleibt
Geblieben sind mir zwei Dinge: der Einzug und die Rede. Der Einzug, weil eine Dabka-Gruppe einen Saal in Sekunden auf Temperatur bringen kann. Die Rede, weil sie mir gezeigt hat, wie weit man mit ehrlichen Sätzen kommt, wenn man sie nicht vorher zurechtlegt.
Und geblieben ist das Bild vom Ende: eine Braut mitten in der Menge, weiße Tücher in der Luft, eine Trommel im Kreis. Vier Kulturen, eine Tanzfläche. Mehr wollte an diesem Tag niemand, und weniger hätte auch nicht gereicht.
Wer sehen will, wie unterschiedlich solche Abende ausgehen, findet in den Hochzeitsgeschichten inzwischen eine ganze Reihe davon – quer durch NRW und weit darüber hinaus.
Gastgeber dieses Tages war das Glashaus im Schloss Horst in Gelsenkirchen. Fotografiert hat Ruh-u Revan, gefilmt hat der Videograf DNZ Cinema.