J. und T. küssen sich nach der freien Trauung im Hofgut Hohenstein, im Hintergrund die Hügel des Odenwalds
Der Moment nach dem Ja: J. & T. zwischen ihren Gästen, dahinter der Odenwald. Foto: Sanem Biyik

Hochzeitsgeschichten · Reportage

Vier Kulturen, eine Tanzfläche: multikulturelle Hochzeit im Hofgut Hohenstein

Eine rumänisch-deutsch-russisch-moldawische Hochzeit im vorderen Odenwald – mit rund 80 Gästen, einer freien Trauung am Teich und einer After-Party, die die alte Scheune bis zuletzt füllte.

Hochzeitsgeschichten  ·  Rumänisch-deutsch-russisch-moldawische Hochzeit  ·  Hofgut Hohenstein, Lautertal (Odenwald)  ·  Von DJ SAM  ·  Mai 2026  ·  ca. 6 Min. Lesezeit

Von Dorsten in den vorderen Odenwald sind es gut drei Stunden Fahrt. Als ich im Mai 2026 die letzten Kurven den Berghang hinauf zum Hofgut Hohenstein nahm, lag Lautertal unter einem makellosen Frühsommerhimmel. Ein denkmalgeschütztes Hofgut, alte Gebäude um einen Innenhof, dahinter nichts als Wald und Wiesen.

Ich wusste an diesem Punkt bereits, dass dieser Tag besonders werden würde. Was ich noch nicht wusste: wie schnell mir diese Gesellschaft das beweisen würde.

J. & T. feierten hier mit rund 80 Gästen eine Hochzeit, in der vier kulturelle Wurzeln zusammenkamen – rumänische, deutsche, russische und moldawische. Auf dem Papier klingt das nach einer komplizierten Gleichung. In diesem Innenhof fühlte es sich vom ersten Moment an wie eine einzige, eng verbundene Gemeinschaft an.

Die freie Trauung am Teich: Worte vor großer Kulisse

Getraut wurde draußen, am Teich des Hofguts. Wer diesen Platz einmal gesehen hat, versteht, warum sich Paare genau hierfür entscheiden: Die Zeremonie liegt erhöht vor einem Panorama aus bewaldeten Hügeln, das an diesem Nachmittag im besten Licht stand. Eine Kulisse, die keiner Dekoration der Welt den Vortritt lassen muss.

Es wurden Worte gesprochen, die hängen geblieben sind – bei mir genauso wie bei den Gästen. Manchmal braucht eine Zeremonie keine großen Effekte. Sie braucht einen Ort, der Ruhe ausstrahlt, und Worte, die treffen. Beides war hier da.

Freie Trauung am Teich des Hofguts Hohenstein mit Panoramablick über den Odenwald
Die freie Trauung am Teich – vor den Hügeln des vorderen Odenwalds. Foto: Sanem Biyik

Ein Barista beim Sektempfang

Nach der Zeremonie öffnete sich der Empfang – und J. & T. hatten sich ein Detail einfallen lassen, das ich so auf noch keiner Hochzeit erlebt habe: Beim Sektempfang stand ein Barista.

Ich gebe es offen zu: Nach der langen Anfahrt aus NRW war dieser frisch zubereitete Kaffee für mich ein Geschenk zur richtigen Zeit. Aber der Barista war mehr als eine Aufmerksamkeit für den DJ. Er war ein Zeichen dafür, wie dieses Paar über seine Gäste nachgedacht hat: nicht nur Sekt für den Anstoß, sondern etwas für jeden – auch für die, die nach einer Anreise oder vor einem langen Abend erst einmal etwas anderes brauchten als Alkohol.

Solche Details erzählen mehr über ein Brautpaar als jedes Deko-Konzept.

Braut J. mit ihren Brautjungfern in Pastellkleidern mit Sonnenschirmen im Hofgut Hohenstein
J. mit ihren Brautjungfern – Pastell, Sonnenschirme und bestes Frühsommerwetter. Foto: Sanem Biyik

Vier musikalische Welten, eine Tanzfläche

Wie klingt eine Hochzeit, auf der rumänische, deutsche, russische und moldawische Wurzeln zusammenkommen? Die ehrliche Antwort: Sie klingt nach allem davon – und darf trotzdem nie in vier getrennte Feiern zerfallen.

Genau das ist die Aufgabe, für die ich als Hochzeits-DJ gebucht werde. Statt die Kulturen in Blöcken abzuarbeiten, arbeite ich mit Übergängen: Die musikalischen Welten wechseln, die Energie bleibt. Niemand soll auf der Hochzeit der eigenen Familie das Gefühl bekommen, nur Gast auf der Feier der anderen Seite zu sein. Bei J. & T. griff das vom ersten Tanz an – diese multikulturelle Gesellschaft brauchte keine Anlaufzeit, sie war längst eine Einheit.

Dass die Feier zweisprachig moderiert durch den Abend lief, tat ihr Übriges: Ansagen, die alle verstehen, sind auf einer Hochzeit mit vier kulturellen Wurzeln kein Luxus, sondern die Grundlage dafür, dass alle Generationen gleichzeitig ankommen.

Zwei Hochzeitsspiele – und ein Trauzeuge in Bestform

Zwei Hochzeitsspiele standen an diesem Abend auf dem Programm, und beide gingen auf das Konto des Trauzeugen – der sie so charmant und mit so viel Gespür für den richtigen Moment auf die Fläche brachte, dass die ganze Gesellschaft mitging. Keine peinlichen Pflichtübungen, sondern Spiele, die den Abend tatsächlich weitergetragen haben.

Aus DJ-Sicht entscheidet bei Hochzeitsspielen weniger das Spiel selbst als sein Timing: Richtig gesetzt, bereichern sie den Hochzeitsablauf, statt ihn zu unterbrechen. Bei J. & T. saß beides – und wer für die eigene Feier nach Ideen sucht, findet in meinem Ratgeber über moderne Hochzeitsspiele die Kriterien, auf die es dabei ankommt.

Die After-Party in der Scheune

Gefeiert wurde in der Scheune des Hofguts – ursprünglich belassene Natursteinwände, Kronleuchter unter altem Gebälk, davor der eigene Außenbereich. Ein Raum, der Eleganz und Rustikalität nicht gegeneinander ausspielt, sondern übereinanderlegt.

Als der offizielle Teil des Abends in die After-Party überging, zeigte sich, was in dieser Gesellschaft steckte. Die Moderation führte hinein, die Musik übernahm – und die Scheune wurde zu dem Ort, an dem sich alle vier Welten endgültig nicht mehr auseinanderhalten ließen. Es gehört zu den schönsten Momenten meines Berufs, wenn eine Tanzfläche irgendwann keine Herkunft mehr kennt.

Hochzeitsfeier in der Scheune des Hofguts Hohenstein mit Kronleuchtern vor Natursteinwand
Die Scheune des Hofguts: Kronleuchter, Naturstein und eine Feier, die bis zuletzt trug. Foto: Sanem Biyik

Auf dem Papier vier Kulturen. Auf der Tanzfläche eine einzige Gemeinschaft.

Als DJ im Hofgut Hohenstein – meine Erfahrung mit der Location

Das Hofgut Hohenstein liegt in Lautertal-Reichenbach im vorderen Odenwald, etwa auf halbem Weg zwischen Frankfurt und Heidelberg. Das denkmalgeschützte Ensemble steht an einem Berghang inmitten von 80 Hektar eigenem Wald und Wiesen; getraut wird am Teich, gefeiert in historischen Räumen wie der Scheune mit ihren Natursteinwänden.

Aus DJ-Sicht ist es genau diese Dreiteilung, die den Tag trägt: die weite, ruhige Kulisse für die Trauung am Teich, der offene Empfang im Grünen – und dann der Wechsel in die Scheune, deren Atmosphäre den Abend von allein verdichtet. Die Hochzeit von J. & T. war meine erste in diesem Haus, und der Eindruck ist geblieben: eine Location, die einer Feier Raum gibt, statt ihr ein Programm aufzuzwingen. Mehr zu meiner Arbeit als Hochzeits-DJ im Rhein-Main-Gebiet.

Die Bilder dieser Reportage stammen von Hochzeitsfotografin Sanem Biyik, die den Tag begleitet hat.

Was von diesem Tag bleibt

Wenn ich an J. & T. zurückdenke, sehe ich zuerst das Panorama hinter der Trauung. Dann den Barista zwischen den Sektgläsern. Und schließlich diese Scheune, in der aus vier kulturellen Wurzeln ein einziger Abend wurde.

Hochzeiten wie diese sind der Grund, warum ich mich als DJ für multikulturelle Hochzeiten auf Hochzeiten zwischen mehreren Kulturen spezialisiert habe: Sie verlangen mehr Vorbereitung, mehr Fingerspitzengefühl und mehr Aufmerksamkeit im Moment – und geben dafür Abende zurück, die niemand im Raum vergisst.

Gastgeber dieses Tages war das Hofgut Hohenstein, fotografiert hat Sanem Biyik.

Jede Hochzeit erzählt ihre eigene Geschichte. Dies war eine davon.

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