Hochzeitsgeschichten · Reportage

Das Lied ihrer Mutter: eine arabische Hochzeit in NRW

Eine libanesisch-deutsche Hochzeit mit rund 110 Gästen, ein Dabka-Einzug mit Live-Trommeln und ein handgeschriebener Musikwunsch, den die Mutter der Braut bis zum Abend für sich behielt.

Hochzeitsgeschichten  ·  Arabische Hochzeit  ·  NRW  ·  Von DJ SAM  ·  ca. 5 Min. Lesezeit

Hinweis: Diese Geschichte ist eine anonymisierte Kompositgeschichte. Sie verbindet Abläufe und Situationen aus mehreren tatsächlich begleiteten Hochzeiten. Namen, Ort und einzelne Details wurden verändert, damit kein Brautpaar identifiziert werden kann.

Die Mutter der Braut kam zu mir, als der Saal noch fast leer war. Der Aufbau stand, das Licht war getestet, und aus der Küche kamen die ersten Tabletts für den Empfang. Sie legte einen gefalteten Zettel neben mein Mischpult.

Darauf standen ein Liedtitel und der Name des Sängers. Das Stück war auf ihrer eigenen Hochzeit gelaufen. Ihre Tochter wusste nichts von dem Wunsch. Ich sollte selbst entscheiden, wann der richtige Moment dafür kam.

Der Zettel blieb die nächsten Stunden unter meinem Laptop liegen.

Eine arabische Hochzeit mit zwei Familiengeschichten

L. & N. feierten im Rheinland, mit einer libanesischen und einer deutschen Familie. Die standesamtliche Trauung hatte bereits einige Tage zuvor stattgefunden. An diesem Abend ging es deshalb direkt um den Empfang, das gemeinsame Essen und die Party.

Bei der Planung hatten die beiden einen klaren Wunsch: Die älteren Gäste sollten die arabische Musik wiedererkennen, mit der sie selbst gefeiert hatten. Der internationale Freundeskreis wollte R&B, Afrobeats und House. L. & N. mochten beides und wollten sich an ihrer Hochzeit nicht zwischen Familienfeier und Clubnacht entscheiden.

Wir legten die Reihenfolge im Vorgespräch fest. Der Einzug und der erste Teil des Abends gehörten der Familie. Nach dem Essen sollte sich die Musik schrittweise öffnen. Die Ansagen blieben kurz und auf Deutsch. Traditionelle Programmpunkte hatte ich mir vorher vom Paar erklären lassen, damit ich sie für die deutsche Familie knapp einordnen konnte. Mit diesem Anspruch gehe ich als DJ für internationale und multikulturelle Hochzeiten an jede Feier.

Ein Dabka-Einzug, bei dem die Gäste sofort aufstanden

Zuerst kamen die Freunde des Paares in den Saal. Dann hörte man die Trommeln vor der Tür. Die Dabka-Gruppe wartete mit L. & N. im Flur und setzte erst ein, als alle Gäste standen.

Der Einzug dauerte länger als ein klassischer Brautpaareinzug, weil er direkt in den ersten Tanz überging. Die Gruppe bildete einen Kreis um das Paar, Freunde kamen dazu, später auch die Eltern. Ich hielt die Musik im Hintergrund und übernahm erst, als die Live-Trommler ihr Tempo zurücknahmen.

Dieser Übergang war vorher abgesprochen. Ein harter Start mit dem nächsten Titel hätte die Energie der Trommler abgeschnitten. Stattdessen griff ich ihren Rhythmus auf und wechselte in einen modernen arabischen Song mit ähnlichem Tempo. Die Tanzfläche blieb voll, obwohl die Live-Gruppe den Kreis bereits verlassen hatte.

Dabka-Einzug bei einer arabischen Hochzeit in NRW
Dabka-Einzug bei einer arabischen Hochzeit in NRW. KI-generiertes Stimmungsbild

Eine Rede, die beide Familien erreichte

Beim Essen sprach der deutsche Vater des Bräutigams. Er hatte seine Rede selbst geschrieben und erzählte von der ersten Begegnung mit L.s Familie. Damals hatte er kaum verstanden, worüber am Tisch gesprochen wurde. Am Ende des Abends habe er trotzdem gewusst, dass sein Sohn dort willkommen war.

Die Rede dauerte nur wenige Minuten. L.s Onkel fasste die wichtigsten Sätze anschließend auf Arabisch zusammen. Niemand übersetzte Wort für Wort. Beide Männer erzählten denselben Gedanken auf ihre eigene Art, und genau dadurch hörten beide Familien zu.

Für mich als Moderator war das der leichteste Teil des Abends. Ich kündigte die beiden an, regelte die Mikrofone und ließ ihnen danach Zeit. Eine gute Hochzeitsmoderation muss einen solchen Moment nicht kommentieren.

Arabische Hochzeit mit zweisprachiger Rede – Vater und Onkel am Mikrofon
Arabische Hochzeit mit zweisprachiger Rede – Vater und Onkel am Mikrofon. KI-generiertes Stimmungsbild

Der gefaltete Zettel neben dem Mischpult

Nach dem Essen begann der zweite Tanzteil. Zunächst liefen arabische Klassiker und aktuelle Titel, die L. mit ihrer Familie ausgesucht hatte. Die Mutter der Braut tanzte viel, blieb aber immer wieder kurz am Rand stehen und sah zu mir herüber.

Ich hatte den Zettel nicht vergessen. Das alte Lied direkt nach dem Einzug zu spielen, wäre zu früh gewesen. Zwischen den modernen Titeln hätte es wie ein Rückschritt gewirkt. Der passende Moment kam nach einer kleinen Pause, als die Eltern wieder auf die Tanzfläche gingen und L. ihre Mutter zu sich holte.

Die ersten Takte waren ruhiger als alles, was davor gelaufen war. L.s Mutter erkannte das Lied sofort. Sie legte eine Hand vor den Mund, ging zu ihrer Tochter und sagte ihr, warum sie sich genau dieses Stück gewünscht hatte.

Viele jüngere Gäste kannten es nicht. Sie blieben trotzdem auf der Fläche, klatschten mit und ließen der Familie den Moment. Nach dem Refrain wechselte ich in eine neue Version mit stärkerem Beat. Damit kamen auch die Freunde wieder näher ans Pult, ohne dass die Eltern gehen mussten. Später gab mir die Mutter den Zettel zurück. Sie wollte ihn behalten.

Braut tanzt mit ihrer Mutter auf einer arabischen Hochzeit – traditioneller und moderner Moment
Braut tanzt mit ihrer Mutter auf einer arabischen Hochzeit – traditioneller und moderner Moment. KI-generiertes Stimmungsbild

Das Lied ihrer Mutter blieb der stärkste Moment des Abends. Ein gefalteter Zettel, eine Mutter neben ihrer Tochter und ein altes Lied, das für ein paar Minuten wichtiger war als der gesamte Ablauf.

Arabischer Pop, R&B und eine späte House-Phase

Nach diesem Lied war der Abend musikalisch offen. Arabischer Pop wechselte mit R&B und den 2000ern. Bei Afrobeats kam der Freundeskreis nach vorne, während bekannte arabische Refrains die Eltern wieder auf die Tanzfläche brachten.

Nach Mitternacht wurde es elektronischer. L. & N. kamen gemeinsam hinter das DJ-Pult, ihre Freunde stellten sich davor und feierten die beiden wie bei einem kleinen Clubkonzert. Der Bräutigam griff kurz zum Mikrofon, beschränkte sich aber auf einen Satz. Danach sang der Saal den nächsten Titel ohne weitere Hilfe.

Die House-Phase dauerte bis zum letzten Song. Einige ältere Gäste saßen inzwischen an den Tischen, standen bei bekannten Melodien aber wieder auf. Niemand erwartete, dass alle 110 Gäste durchgehend tanzen. Entscheidend war, dass jede Generation mehrmals ihren Platz auf der Fläche fand.

Was mir von dieser arabischen Hochzeit geblieben ist

Der Dabka-Einzug war der lauteste Teil des Abends. Das Bild, an das ich mich erinnere, ist kleiner: ein gefalteter Zettel, eine Mutter neben ihrer Tochter und ein altes Lied, das für ein paar Minuten wichtiger war als der gesamte Ablauf.

L. & N. hatten ihren Freunden eine moderne Party versprochen und ihren Familien zugesichert, dass ihre Musik nicht zur Dekoration wird. Beides passte in denselben Abend, weil das Paar vorher klar gesagt hatte, welche Momente ihm wichtig waren.

Als Hochzeits-DJ für arabische Hochzeiten in NRW

Eine arabische Hochzeit braucht musikalische Vorbereitung. Herkunft, Generationen und Familiengeschichte entscheiden darüber, welche Titel funktionieren. Dazu kommen ein sauber geplanter Einzug und eine Moderation, die Traditionen erklärt, ohne den Abend mit Ansagen zu füllen. Wie ich Hochzeitsmusik und Ablauf plane, erkläre ich euch gern im Vorgespräch – ein weiteres Beispiel ist die arabische Hochzeit in der La Redoute Bonn.

Wenn ihr eine arabische oder internationale Hochzeit als Hochzeits-DJ in NRW plant, sprechen wir vorab über die Musik beider Familien, eure Programmpunkte und die Menschen, die auf keinen Fall am Rand des Abends stehen sollen.

Jede Hochzeit erzählt ihre eigene Geschichte. Dies war eine davon.

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